Kaum Wind plus amtlich gefördertes Geballer und Gezische sorgten in der Stadt Zürich am 1. Januar für ätzenden Dauersmog und anhaltende, auch für “nicht-empfindliche Menschen” gefährliche Schadstoffkonzentrationen, insbesondere von lungengängigem PM2.5-Feinstaub.
Ohne Knalltrauma das Feuerwerk-Neujahrsritual überstanden und im 2026 angekommen? Dann ist zumindest im “fortschrittlichen” Zürich ja alles gut.
Feuerwerk ist für die Stadt höchstens ein Lärmproblem:
Amtlich wird unterschieden “zwischen Lärm verursachendem Feuerwerk und nicht Lärm verursachendem Feuerwerk”. Das Abbrennen von Lärm verursachendem Feuerwerk ist nur am Nationalfeiertag und an Sylvester gestattet und während dem Rest des Jahres (theoretisch) verboten. Nicht Lärm verursachendes Feuerwerk, sogenanntes Barockfeuerwerk oder Bodenfeuerwerk, darf dagegen das ganze Jahr jederzeit abgebrannt werden. Zwar verbietet (theroretisch) auch in Zürich die Allgemeine Polizeiverordnung APV unter Art. 18 “gesundheitsschädigende […] Einwirkungen […] durch […] Staub, Russ, Rauch, Geruch, Abgase […]”, aber in der Praxis nicht in Bezug auf Feuerwerk (u.v.a.m.). Während andere Gemeinden Feuerwerk rechtlich verbieten, beteiligt sich die Stadt an den Kosten des “Sylvesterzaubers”.
Tote durch Luftverschmutzung? In Zürich? Who cares!
Ein oft gehörtes Argument zur Luftverschmutzung durch Feuerwerk lautet, andere Schadstoffquellen, etwa Holzrauch z.B aus Cheminées und offenen Feuern oder aus (z.T weit entfernten) Waldbränden, sind gemessen übers ganze Jahr dermassen viel schlimmer, dass das bisschen Feuerwerk dagegen halb so wild ist (gern auch als Abwandlung des beliebten Mottos, ich nicht — er auch).
Unbestritten sind z.B. Holzrauch oder auch “hausgemachte” Luftschadstoffe im Jahresschnitt tatsächlich schädlicher und fordern mehr Todesopfer als Sylvester und 1. August. Doch laut offiziellen Zahlen des Bundesamts für Umwelt BAFU sind Luftschadstoffe aus Feuerwerken in der Schweiz mitverantwortlich für den vorzeitigen Tod von ca. 20-50 Personen jährlich, machen doch Feuerwerke “1 bis 2 Prozent der jährlichen Gesamtemissionen aus” und sind Luftschadstoffe insgesamt “mitverantwortlich für den vorzeitigen Tod von rund 2’300 Personen”.
Wie auch Messungen von BürgerInnen-Messstationen und sogar der Stadt Zürich selbst klar zeigen, ist gerade bei windarmen Lagen wie am letzten “Sylpester“ 2025 die Luftverschmutzung durch Feuerwerk alles andere als harmlos:
So verdoppelten sich bei unserer IQAir-Messstation Im Isengrind 8046 Zürich im Vergleich zum Vorjahr der höchste gemessene PM2.5 Stunden-Mittelwert von ca. 150 µg/m3 (01.01.2025) auf ca. 300 µg/m3 (01.01.2026), und der PM2.5 Kurzzeitmesswert betrug 2026 gar “gefährliche” 521 µg/m3:

Links: Luftqualität PM2.5 Stundenwerte, Im Isengrind 8046 Zürich Neujahr 2025
Mitte: Luftqualität PM2.5 Stundenwerte, Im Isengrind 8046 Zürich Neujahr 2026
Rechts: Warnhinweis “Gefährlich” – Im Isengrind 8046 Zürich 01.01.2026 – 00.07h
Die Air-Gradiant-Messstation Zürich-Affoltern zeigte am 1. Januar 2026 einen PM2.5 10-Minuten-Mittelwert von über 400 µg/m3 und ein PM2.5 12-Stunden-Mittelwert von 150 µg/m3:
Und die Purple-Air-Messstation Zürich-Affoltern zeichnete folgenden Schadstoffverlauf über „Sylpester“ 2025 / Neujahr 2026 auf, ebenfalls mit PM2.5-Spitzen über 500 µg/m3:
Auch die amtlichen Messstationen der Stadt Zürich an der Rosengartenstrasse, der Stampfenbachstrasse und der Schimmelstrasse registrierten “ungesunde” PM2.5 Stunden-Mittelwerte um die 70µg/m3:


Links: Luftqualität PM2.5 Stundenwerte Rosengartenstrasse Zürich Neujahr 2026
Mitte: Luftqualität PM2.5 Stundenwerte Stampfenbachstrasse Zürich Neujahr 2026
Rechts: Luftqualität PM2.5 Stundenwerte Schimmelstrasse Zürich Neujahr 2026
Auch die PM2.5 Tages-Mittelwerte erreichten an der Rosengartenstrasse und an der Schimmelstrasse “ungesunde” über 55 µg/m3, und an der Stampfenbachstrasse noch knapp darunter mit 53.5 µg/m3 “ungesund für sensible Personen”:



Links: Luftqualität PM2.5 Tageswerte Rosengartenstrasse Zürich Neujahr 2026
Mitte: Luftqualität PM2.5 Tageswerte Schimmelstrasse Zürich Neujahr 2026
Rechts: Luftqualität PM2.5 Tageswerte Stampfenbachstrasse Zürich Neujahr 2026
Zur Erinnerung: Der WHO-PM2.5-Grenzwert (Download), über dem es zu zusätzlichen Todesfällen durch Luftverschmutzung kommt (und der in der Schweiz ohnehin an den wenigsten Orten eingehalten wird), liegt bei 5µg/m3 im Jahres-Durchschnitt, und bei 15µg/m3 für den maximalen 1-Tages-Durchschnitt. Sprich, an den obigen Messstationen wird er für den 1. Januar der zulässige Jahres-Wert ums mehr als das 10-Fache überschritten, und der Tages-Wert um das 3,7-Fache. Wie ebenfalls aus den Messwerten ersichtlich, liegt im letzten Monat der reale Tages-Minimalwert bei etwa 2 µg/m3, was allerdings im betreffenden Monat je nach Messstation höchstens 1-3 Mal der Fall war. Sprich, um den letzten “Sylpester” wieder WHO-konform auszugleichen, bräuchte es mehr als 2 Wochen solche doch recht seltenen Minimal-Tage nonstop — obendrein zu einer Jahreszeit, wo der zulässige Tages-Durchschnitt ohnehin an den meisten Tagen z.T. deutlich überschritten wird.
Fazit: Auch am “Sylpester” 2025 waren Luftverschmutzungs-Tote einmal mehr Teil des profitorientierten, von der Stadt noch geförderten “Zaubers”. Von allen anderen “empfindlichen Menschen”, die (noch) nicht gerade sterben, aber trotzdem an der deutlich schlechteren Luftqualität klar leiden, mal ganz abgesehen. Who cares?



Smog wie in LA: Die Sonne geht hinter einem “künstlichen 2. Horizont” über dem eigentlichen unter, aufgenommen in Zürich am 13.08.2025, Sicht vom Käferberg in Richtung ETH Hönggerberg. © Atemluft.net
Blick von der Rigi auf den Üetliberg (Pfeil), 07.08.2025: Immerhin ist der Zürcher Hausberg noch deutlich zu erkennen, ebenso links davon die Lägern, und ganz oben ist der Himmel noch recht blau. Bereits zeigt sich aber auch ein überdurchschnittlich ausgeprägtes, gelblich-braunes Band dreckiger Luft, hier noch hauptsächlich über dem Horizont. © Atemluft.net
Dieselbe Aussicht eine Woche später am 14.08.2025: Das gelblich-braune Band hat sich sowohl gegen oben als auch gegen unten stark verbreitert. Der Üetliberg (Pfeil) ist im “Nebel” zwar noch zu erkennen, aber die Lägern praktisch nur noch, wenn mensch weiss, wo suchen. Der Himmel ist ganz oben nicht mehr wirklich blau. Links im Bild sieht’s gar ähnlich aus wie bei einem “Wolkenbruch” – was hier vom Himmel rieselt, ist aber kein Wasser … © Atemluft.net

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AI-generiertes Symbolbild
VOC-Messwerte die zeigen, wie eine einzige Anwendung eines Pump-Haarsprays in einer (belüfteten) Wohnung zu einer erheblichen Belastung über 5 Stunden führt. © Atemluft.net
Von wegen “wenig Einfluss auf die Luftqualität in der Schweiz”: PM2.5-Messwerte vom 06.-12.06.2025 in Zürich-Affoltern. © Atemluft.net



















Auf aqicn.org am Sonntagabend 
Der erste Kamin gehört zur mobilen Pelletheizung des Pfuusbus der Sozialwerke Pfarrer Sieber und den dazugehörigen Zeltanlagen beim Strassenverkehrsamt. Wie bei allen Heizungsanlagen reglementiert hier die 2024 verschärfte
Der zweite Kamin befindet sich wenige Schritte bergaufwärts, stammt vom Cheminée und/oder Grill des Restaurant Schützenhaus Albisgüetli und ist ebenfalls täglich im Dauerbetrieb. Cheminées und Grills fallen – wie u.a. auch offene Holzfeuer – weder unter die Luftreinhalte-Verordnung noch sonst unter eine durchsetzbare Einschränkung des Luftschadstoffausstosses, sprich, sie dürfen unreglementiert und ganz legal beliebig soviele Lufschadstoffe verbreiten, wie sie nur wollen, und der Ausstoss muss auch nicht gemessen und deklariert werden (der Betreiber nennt hier folgerichtig auch keine Messwerte). Dieser Unterschied sticht schon vom Weitem ins Auge: Dicker, bläulicher Rauch strömt tagein, tagaus aus dem Kamin, löst sich (optisch) nur langsam im Wind auf. Solcher Holzrauch gehört (wie auch Zigarettenrauch) mit zu den krebserregendsten Feinstäuben. Wehe allen mit empfindlichen Luftwegen, die windabwärts ungeschützt atmen müssen – und auch gegen den Wind ist hier auf Bodenebene ohne Maske vorbeilaufen meist aua!
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